Streuner:      Von Rumtreibern, Futterstellen und warum Kastration Leben rettet

 

Wie man zu Streunern kommt?

August 2014. Samstagmorgen kurz vor acht.
Ich bereite mich für die Arbeit vor.
Die Neugier meiner Kater macht mich auch neugierig: was ist es, das ihre ungeteilte Aufmerksamkeit auf den Garten lenkt und mich und meine Leckerli-Büchse völlig ignorieren lässt?

Ich sehe nach und stelle mir die Frage, wieso dort Kaninchen sitzen, bis ich erkenne:

es ist eine Katzenmama mit drei Kitten.

Und jetzt? Zu den Nachbarn gehören die nicht....
Der Tierschutzverein Herdecke Wetter e.V. kam uns sofort und völlig unbürokratisch zur Hilfe. Die 'Sorte' Katze kannte der Verein bereits aus den naheliegenden Schrebergärten, wo bereits ein ganzer Haufen solcher weiß-getupften an einer Futterstelle betreut wurde.


Wir wurden mit zwei Katzenfallen ausgestattet und begannen, die kleine Familie anzufüttern. Mit Erfolg, schon nach wenigen Tagen konnte die Mami früh morgens gefangen werden. Sie wurde sofort zum Tierarzt verfrachtet, medizinisch versorgt, kastriert und konnte schon am selben Abend wieder zu ihren Kindern. Sie sollte ihr Leben draußen weiterleben dürfen, sie würde sich in einer Wohnung vielleicht niemals wohl fühlen und aufgrund ihrer Scheu und ihres 'gewöhnlichen' Aussehens wahrscheinlich im Tierheim versauern. Wir tauften sie Kitty und versprachen ihr, ihr stets ein Tellerchen rauszustellen, wenn sie das wollte.

 

Auch wenn es Kitty zunächst gereicht hat, tauchte sie schon am nächsten Tag mit ihren Kleinen wieder auf um zu sehen, ob das mit dem Tellerchen auch nicht geschwindelt war.
Nur ein paar Tage später konnten zwei der Kinderchen eingefangen werden, ein fast schwarzes und ein weiß-getupftes mit weißen Ohren. Die zwei kleinen Fauchies leben heute in Sicherheit, sie fanden über das Tierheit Witten Herdecke ein neues Zuhause.
So blieb Kitty mit ihrem weißen Kind mit dem schwarzen Punkt alleine. Ein paar Tage lang kamen sie noch gemeinsam, das Kleine wollte jedoch nicht in die Falle tapsen. Wir fingen nur schneckefette Igel, die sich über die Abwechslung auf ihrem Speiseplan freuten und in der Falle glücklich und ungestört vor sich hin schmatzten.

Ihr weißes Baby brachte Kitty nur noch ein paarmal mit. Das Kleine verschwand von heute auf morgen spurlos. Wir befürchten, der Fuchs hat es geholt.

Kitty blieb. Nachdem ihr letztes Kind verschwand, brachte sie zunächst abwechselnd andere Katzen mit. Die konnten gefangen und zum Tierarzt gebracht werden. Und durften anschließend hier wieder rausgelassen werden, um ihr scheues Wald-Leben weiterzuleben. Zum Beispiel dieser lustige junge Mann hier links. Er fand die Aktion wohldoof: er kam später noch ein-, zweimal, ehe er aus unserem Blickfeld verschwand.

An dieser Stelle ein dickes Dankeschön an den Tierschutzverein Herdecke Wetter e.V., der die Kosten für die Kastrationen übernommen hat .
Kater Nepomuk e.V. gab es damals noch nicht.

Bis heute kommt Kitty jeden Tag, begleitet von Kater Weißohr. Er gehört bestimmt zur Familie, man erkennt sie gut, die weiß-getupften. Beide wissen genau, wann sie mit ihrem Abendessen rechnen können und warten schon.

Sie sind noch immer scheu, worauf wir großen Wert legen, denn nicht alle Menschen sind gut zu (wilden) Katzen.


Bisher wurden die zwei 'privat' versorgt. Ab März 2017 sollen sie 'Offizielle' von Kater Nepomuk e.V. werden.

Ihre kulinarische und medizinische Versorgung wird ab sofort Vereinssache sein. Auch wenn ihr einziges Handicap ist, kein Zuhause in einer Familie zu haben, weil sie als Straßenkinder geboren wurden.
Wir werden auch Igeln keinen Platzverweis erteilen, wenn sie sich am Katzenteller bedienen. Übrigens warten die beiden stets geduldig, bis ihre Igelfreunde satt sind und abschieben.  Natürlich gibt es dann auch nochmal einen Nachschlag...

Weil sie 'ihre Zeit kennen' bekommen Kitty und Weißohr Dosenfutter und nur in Ausnahmefällen Trockenfutter.
Alle 3 Monate bekommen sie jeweils ein Floh- und ein Wurmmittel mit dem Futter. Beide haben einen eigenen Napf.

Glücklicherweise sind die zwei die einzigen beiden geblieben, die hier zum Futtern kommen. Die weiß-getupfte Familie scheint nicht mehr zu wachsen. Der Tierschutzverein Herdecke Wetter e.V. hat tolle Arbeit geleistet. Danke!


Und was ist mit Straßenkatzen, die keine Futterstelle haben?


Ganz einfach: die müssen sich alleine durchschlagen.
Sie fressen, was sie finden. Wildtiere wie Mäuse, Vögel, Kaninchen. Futter, das nette Menschen für Igel rausstellen. Müll, zum Beispiel aus Gelben Säcken. ...und nicht alle Menschen sind gut zu Tieren.

Wenn sich ihrer niemand annimmt, werden diese Katzen auch unkastriert bleiben.
Infektionskrankheiten breiten sich aus, ob nun durch Sexualkontakte, Revierkämpfe unkastrierter Haudegen, die hohe Populationsdichte oder die Vielzahl medizinisch unversorgter, ungeimpfter Freiläufer.
Und einer Generation folgen viele weitere.

Kastration ist die einzige Lösung. Nicht nur z.B. im ost- oder südeuropäischen Ausland, sondern auch vor unserer Haustür. Seit dem 1.1.2017 gilt im EN-Kreis - Nepomuks Wohnort -  die Katzenschutzverordnung, die u.a. die Kastrationspflicht für Freigänger vorschreibt.

Bitte lasst eure Katzen nicht unkastriert in den Freigang. Lasst sie kennzeichnen und registriert sie kostenlos bei Tasso oder dem Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes.

Hier ein Artikel von Tasso rund um die Kennzeichnung.

Nur so lässt sich das Katzenelend in Deutschland eindämmen.
Und nur so lässt sich euer Liebling von einem Straßenkind unterscheiden, nur so kann euer Schatz sicher zu euch zurückgebracht werden, wenn ihm im Freigang doch einmal etwas zustößt oder er den Heimweg einfach nicht mehr finden kann.

...und auch wenn die Verordnung für Freigänger gemacht wurde und Wohnungskatzen ausgenommen sind:
natürlich müssen auch reine Wohnungskatzen kastriert werden, die Gründe dafür liegen auf der Hand.
Und weil auch Vollzeit-Stubentiger versehentlich entwischen können, z.B. wenn der Paketbote kommt, solltet ihr auch die reine Wohnungskatze kennzeichnen lassen und registrieren. Sicher ist sicher!

Bitte meldet euch bei einem Tierschutzverein in eurer Gegend, wenn ihr herrenlose Katzen bemerkt. Auch das ist Tierschutz! Man wird euch helfen, den Rumtreibern zu helfen.

Danke!

 

Und wie eine herrenlose Katze identifizieren?
Nicht jede Katze auf der Straße ist ein Straßenkatze.


Wenn die Katze nicht scheu ist, sich vielleicht sogar  streicheln lässt, hat sie vielleicht doch irgendwo eine Familie.
Wenn die Katze strubbelig und eher ungepflegt aussieht, ist sie vielleicht doch einfach Freigänger, älter und gesundheitlich nicht mehr ganz gut zurecht, sie muss nicht unbedingt eine Straßenkatze sein.


Du hast dennoch den Verdacht?

Hilfreich sind Fotos.
Damit können Nachbarn befragt werden, ob sie vielleicht eine neue Katze haben.
Beim Tierheim und dem Tierschutzverein, den ihr ansprecht, kann man damit Vermisst-Meldungen abfragen.
Auch bei Tasso können Vermisst-Meldungen abgefragt werden.


Tierärzte, Tierheime und zunehmend auch die Tierschutzvereine haben Chip-Lesegeräte. Wenn die Katze gechipt ist, ist sie hoffentlich auch registriert und kann zu ihrer Familie zurückgebracht werden.

Amanda L.   02/2017